Energiemarktbericht
Gasmarkt: Und täglich grüßen die Gasspeicher
Der Gasmarkt zeigte einen ähnlichen ruhigen Handel wie der Strommarkt.
Im Prinzip war das wichtigste Thema für die europäischen Gasmärkte seit Beginn des vergangenen Winters der Füllstand der Speicher, allerdings mit wechselnden Blickwinkeln. Die Heizperiode begann im Herbst 2025 mit auskömmlichen Füllständen von über 80%, die zwar unter den Werten des Vorjahres, aber über den gesetzlichen Vorgaben der EU lagen.
Die Preise am Großhandelsmarkt lagen derweil sogar unter denen aus 2024, da sich die Versorgungslage durch LNG-Importe, hauptsächlich aus den USA, durch neue Kapazitäten in 2025 ausgeweitet und einen Rekordwert erreicht hatten. So handelte der Frontmonatskontrakt am wichtigsten europäischen Handelspunkt TTF zu Beginn des vierten Quartals 2025 etwas über 30 €/MWh und fiel bis zum Jahresende sogar unter 27 €/MWh, da die Temperaturen und damit der Gasbedarf ungefähr einem statistisch zu erwartenden Normaljahr entsprachen.
Mit Beginn des Jahres 2026 änderte sich dies rapide. Ein sehr kalter Januar und eine sehr kalte erste Februarhälfte ließen die Vorräte in den Gasspeichern schnell zurück gehen, die Preise schnellten nach oben. Mitte Februar waren die Füllstände schon unter 30% und es bestand durchaus die Möglichkeit, dass sich diese bis Ende des Winters komplett leerten. Die Preise stiegen auf über 40 €/MWh an. Zum Glück wurde das Wetter jedoch deutlich milder und bis Ende März wurden die Gasspeicher kaum weiter belastet. Die Preise kamen auf das Ausgangsniveau zum Beginn des Winters bei um die 30 €/MWh zurück.
Mit dem Beginn des Irankriegs 2026 und der damit verbundenen Sperrung der Straße von Hormuz für Energietransporte sowie der Zerstörung wichtiger Teile der weltgrößten LNG-Anlage Ras Laffan in Katar, begann am Gasmarkt allerdings über Nacht eine neue Zeitrechnung. Zwar sind die LNG-Exporte aus Katar in der Vergangenheit zum größten Teil nach Asien verkauft worden und nicht nach Europa - da es sich bei LNG allerdings um ein austauschbares Produkt handelt und der Welt ohne Katar etwa 20% der gesamten Kapazität fehlen, sprangen die Preise bis auf über 70 €/MWh. Asiatische Einkäufer traten trotz der deutlich weiteren und teureren Lieferwege vermehrt als Konkurrenz für LNG aus den USA auf.
Dies befeuerte bei europäischen Marktteilnehmer Ängste, dass die Gasspeicher bis zum kommenden Winter nicht auf die erforderlichen Füllstände aufgefüllt werden könnten. Durch den Waffenstillstand und den Beginn der Verhandlungen beruhigte sich das Geschehen und die Preise fielen auf 45 €/MWh. Eine Rückkehr zu den altbekannten Preisniveaus scheint derzeit unwahrscheinlich, da sich die Situation zu angespannt und fragil präsentiert und erneute Eskalationen jederzeit für erneute Preissprünge sorgen könnten.
Strommarkt: Keine Panik
Bis in den Februar hinein zeigten sich die Strompreise an den Termin- und Spotmärkten tiefenentspannt. Der Frontjahreskontrakt (Lieferung in 2027) pendelte in einer engen Range um die Marke von 85 €/MWh. Eigentlich hätte der kräftige Anstieg der Gaspreise im Januar hier stärkeren Einfluss haben sollen, denn seit 2024 hat sich Gas zum wichtigsten Brennstoff für die fossile Stromerzeugung entwickelt und ist preislich an Stein- und sogar Braunkohle vorbeigezogen.
Die Brennstoffkosten sind aber nur eine Seite der Medaille bei den variablen Kosten. Auf der anderen Seite stehen die Kosten für CO₂-Emissionszertifikate - diese starteten im Januar einen regelrechten Abverkauf. Kostete der Recht auf die Emission von einer Tonne CO₂ Mitte Januar noch über 90 €, so fiel der Preis bis Mitte März unter 65 €/t und deckelte damit auch die Entwicklung der Strompreise. Auslöser waren vermehrte Äußerungen aus der Politik, in diesen Markt eingreifen zu wollen, um die Industrie zu entlasten und die Konjunktur zu stützen.
Zudem formierte sich vor allem in den östlichen EU-Staaten eine Gruppe, die eine komplette Aussetzung der CO₂-Bepreisung forderte, um die europäische Wirtschaft im weltweiten Wettbewerb nicht weiter zu schwächen. Viele Marktteilnehmer trennten sich daraufhin von Zertifikaten, die sie in Erwartung stetig steigender Klimaschutzziele bereits erworben hatten. Die Strompreise gaben dadurch ebenfalls nach und lagen Mitte Februar nur noch bei etwas mehr als 75 €/MWh.
Mit Beginn des Irankrieges und den Preissprüngen beim Gas war auch beim Strom die ruhige Phase vorbei, wobei die Bewegungen im Vergleich zum Gas moderat waren. Das Cal27 Baseload stieg im März auf über 100 €/MWh, konnte dieses Niveau allerdings nicht halten und fiel zum April hin wieder unter 90 €/MWh. Für den Sommer richtet sich der Blick auf die Entwicklung der Gaspreise, die alle weiteren Effekte auf die Strompreise überlagern könnten.
Am Spotmarkt kostete das erste Quartal 2026 durchschnittlich 102,17 €/MWh. Im März wurde dabei mit im Mittel 9,9 GW ein neuer Rekord bei der Erzeugung aus Photovoltaik erreicht. Die Anzahl der Stunden mit negativen Preisen lag bis Mitte April bereits bei über 100 und damit erneut über dem Vorjahreswert. Für das Gesamtjahr ist derzeit trotz des weiteren Zubaus Erneuerbarer Energieerzeugung von einem etwas höheren mittleren Spotmarktpreis als im Vorjahr auszugehen.
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