Energiemarktbericht

Stand: Anfang Dezember 2023

Strommarkt: Schwache Konjunktur sorgt für Entspannung

Die Strompreise am Großhandelsmarkt in Deutschland sind im Herbst langsam aber stetig gefallen. Einzig Anfang Oktober, nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel, kam es kurz zu Nervosität bei den Energiepreisen, aber bereits nach ein paar Tagen wurde die zuvor eingeleitete Abwärtsbewegung wieder fortgesetzt.

Am Spotmarkt kosteten die Monate September bis November im Schnitt etwa 93 €/MWh, kein Vergleich zu den gut 224 €/MWh im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Und am Terminmarkt konnte der Preis für die Lieferung in 2024 seine seit dem Frühjahr bestehende breite Handelsspanne zwischen etwa 120 und 150 €/MWh nach unten verlassen. Anfang Dezember wurden erstmals seit Januar 2022 wieder Preise unter 100 €/MWh für das Frontjahr gehandelt.

Gründe für diese Entwicklung gab es einige: Mildes und windreiches Wetter im Oktober, eine deutlich gesteigerte Verfügbarkeit französischer Kernkraftwerke (in den Stunden, in denen Deutschland Strom importieren musste), und generell eine reduzierte Nachfrage vor allem seitens der Industrie.

Der Hauptgrund war allerdings zweifellos die massive Preisschwäche bei Emissionszertifikaten. Diese kosteten Ende Juli noch über 90 €/t und konnten Anfang Dezember für 68 €/t erworben werden. Für die Stromerzeugung aus konventionellen Brennstoffen sind diese Zertifikate ein wichtiger Preisbestandteil. Zudem unterliegen Emissionen größerer industrieller Verbrennungsanlagen einer Abgabeverpflichtung von Zertifikaten und auch dort reduzierte sich die Nachfrage.

Des Weiteren erhöhte sich gleichzeitig das Angebot, da die EU bisher einbehaltene überschüssige Zertifikate abverkaufte, um das REPowerEU-Programm gegen zu finanzieren. Und zu guter Letzt führten die Diskussionen über eine zusätzliche Schließung von Kohlekraftwerken vor 2030 zu Abverkäufen der Kraftwerksbetreiber, die sie die Emissionsrechte dann nicht mehr benötigen würden.

Gasmarkt: Zögerliche Preisrückgänge

Im Gegensatz zu den Strompreisen verliefen die Gaspreise in den Herbstmonaten mehr oder weniger seitwärts. Spürbare Rückgänge gab es erst ganz zum Ende des Berichtzeitraumes, als die Großhandelspreise für die Lieferung im Jahr 2024 die vorher gültige Preisspanne zwischen etwa 45 und 55 €/MWh nach unten verlassen konnten. Als Begründung kommt der für die Gasversorgung günstige Start in die kalte Jahreszeit in Betracht.

Die Gasspeicher erreichten im November einen Füllstand von 100%, die Versorgung mit LNG war ähnlich hoch wie im Vorjahr und das Risiko eines extrem kalten Winters verringerte sich von Woche zu Woche. Warum reduzierten sich die Risikoprämien trotzdem nur so schleppend? Hier hilft ein Blick zum Spotmarkt. Neben den dort typischen höheren Preisschwankungen als am Terminmarkt auf alle geopolitischen Entwicklungen fiel auf, dass der Markt das günstige Preisniveau aus den Sommermonaten um 25 €/MWh im Herbst nicht mehr erreichen konnte.

Der Grund lag vermutlich in dem einsetzenden Preiswettbewerb um freie LNG-Lieferungen mit asiatischen Käufern. Zwar kommt genügend LNG in Europa an, allerdings schaffen es die Preise bisher nicht, längere Zeit unter 40 €/MWh zu handeln, weil europäische Einkäufer dann vermehrt aus Asien überboten werden. Ab 2026 sollte sich dieses Problem lösen, denn dann steht weltweit eine signifikant höhere LNG-Menge zur Verfügung durch derzeit im Bau befindliche neue Infrastruktur. Bis dahin allerdings lassen sich Engpässe nicht komplett ausschließen und die Nervosität z.B. bei Kälteperioden kann unverändert zu vergleichsweise starken Preisbewegungen führen.